Liebe, Lügen, Leberkäs

 

12.07.2017 © Anneliese Lauscher / Dürener Nachrichten

Ein Lustspiel zwischen Wurst und Schinken

Die Theatergruppe des TuS Schmidt bringt das Stück „Liebe, Lügen, Leberkäs“ auf die Bühne. Alle Vorstellungen ausverkauft.

Schmidt.
Dass die Theatergruppe des TuS Schmidt viermal vor ausverkauftem Haus spielen darf, kommt nicht von ungefähr: Seit Jahren versteht es die Regisseurin, ein gut gewähltes Stück optimal zu besetzen. Und die Laienschauspieltruppe wird immer besser, mutig streuen die Spieler Lokalkolorit ein, was die Zuschauer umso mehr amüsiert.
So war es auch jetzt wieder im Saal des „Schützenhof“ wo an zwei Wochenenden das Stück „Liebe, Lügen, Leberkäs“ von Jürgen Schuster aufgeführt wurde. Das gut gelaunte Publikum spendete schon gleich zu Beginn Applaus für ein überaus gelungenes Bühnenbild: Da war eine Metzgerei aufgebaut worden mit Schinken und Würsten, mit antiker Waage und Aufschnittschneider, auch der Meisterbrief fehlte nicht. Hier begegnen die Zuschauer zunächst der Metzgerstochter Caro, einem feschen Mädel, das nicht auf den Mund gefallen ist. Ihre große Rolle meisterte Sabrina Reinartz textsicher und jugendlich-charmant. Ihr erster Kunde ist Opa Blechle; den mimt einer der „Altstars“ der Schmidter Bühne, Kurt Deuster. Diesmal hat man ihm den tüddeligen, verwirrten und etwas starrsinnigen Opa auf den Leib geschrieben, der dauernd von zuhause abhaut und dann in der Metzgerei Mohnbrötchen, Nägel und Karabinerhaken kaufen will – eine Glanzrolle für den erfahrenen Schauspieler. Anni Säuling, die Metzgersgattin, nimmt es an Sprachgewalt gern mit ihrem cholerischen Mann auf: Helga Niedeggen und Olaf Effertz als Jakob Säuling liefern sich temperamentvolle und witzige Streitgespräche.
„Wat billisch wegmuss“ will Fanny stets kurz vor Ladenschluss kaufen. Die etwas einfältige, altmodische Figur, bei der man offensichtlich „auch am Gehirn gespart hat“, wie Anni Säulingmeint, wird urkomisch dargestellt von Karina Huben. Der von ihr schüchtern verehrte „Postschorsch“ (Armin Stollenwerk) ist auch recht langsam in seinen Reaktionen und seiner Sprache; meistens sagt er, um Zeit zu gewinnen: „Ja – schon.“
Das kann das Publikum bald mitsprechen! Auf den Metzgergesellen Fritz, gespielt von Rolf Wergen, ist der Meister nicht gut zu sprechen, weil der nämlich hinter seiner Tochter her ist und außerdem die besseren Ideen hat zur Modernisierung im Laden. Und er kann auch Würste machen, die besser schmecken als die seines Chefs. Da gibt es turbulente Szenen und heiße Wortgefechte, die schauspielerischen Leistungen wurden immer wieder mit spontanem Applaus belohnt.
Auch am „blinden“ Michel, der sich am liebsten als weiser Seher ausgibt, sich überall einmischt und für „Schwingungsausgleich“ sorgen will, haben die Zuschauer ihre helle Freude. Er ist keineswegs blind, außerdem schlau und berechnend; Helmut Bergsch verkörpert den Michel mit Spielwitz und origineller Gestik.
Zum Gelingen der erfolgreichen Theaterabende trugen auch die Souffleuse, Luzia Virnich, bei sowie Tanja und Jenny, die für Masken und Frisuren zuständig waren. Im nächsten Jahr will die Theatergruppe sogar fünfmal spielen, denn die Nachfrage nach Karten überstieg ihre Kapazitäten.
ale