Halbmarathon in Wesel-Flüren am 1. Mai 2017

Mein erster Halbmarathon nach langer Wettkampfpause führte mich am 1. Mai in meine alte Heimat Wesel am Niederrhein. Ausrichter des 41. Halbmarathons war der BSV Grün-Weiß Wesel-Flüren, wo ich bis 1989 Mitglied war. Als ich mich mit 19 Jahren der Marathongruppe anschloss, war ich mit Abstand die Jüngste, denn alle anderen waren bereits im Alter meiner Eltern. Somit war dieser 1. Mai ein Wiedersehen nach 28 Jahren mit dem verbleibenden Rest der Truppe, die bereits die Altersschwelle von 70 weit überschritten hat. Erstaunlicherweise sind einige noch läuferisch aktiv, der Älteste ist 83!
Die Vorzeichen für meine Teilnahme standen erst gar nicht gut. In den vier Monaten Vorbereitung hatte ich erst Probleme mit dem Iliosakralgelenk, drei Wochen vor dem Lauf vertrat ich mich im Garten in einem Kaninchenloch und eine Woche vorher machte mir ein Muskelkrampf im Oberschenkel zu schaffen. Zum Glück war ich zum Wettkampftag wieder fit, wenn auch mit Fußbandage, und das Wetter spielte ebenfalls mit. Früher war es am 1. Mai immer schon sehr warm gewesen, aber diesmal ging mein persönlicher Wunsch für kühles Wetter mit Nieselregen in Erfüllung. Der Verein verzeichnete trotz des schlechten Wetters in diesem Jahr einen Teilnehmerrekord mit über 400 Walkern und Läufern über mehrere Distanzen, die meisten stammten aus dem Ruhrgebiet. Besondere Gäste waren wieder die Läufer aus der englischen Partnerstadt Felixstowe, mit denen der Verein seit 30 Jahren befreundet ist. 1987 hatte ich dort auch am 1. Felixstowe Half Marathon teilgenommen, der mittlerweile auf 10 Meilen gekürzt wurde.
Somit schloss ich mich auf den ersten 7 Kilometern im gemütlichen Schritt zwei Läuferinnen aus Felixstowe an, bevor ich meinen Laufschritt beschleunigte. Der erste Teil dieser völlig befestigten, flachen Strecke verlief durch den Diersfordter Wald und auf dem Radweg einer Landstraße. Nach 10 Kilometern ging es auf den Deich entlang des Rheins, vorbei an Schiffkuttern, blökenden Schafherden und malerischen Häusern mit gepflegten Gärten. Von Bislich aus sieht man auf der anderen Seite des Rheins Xanten, das von seinem Dom überragt wird. Normalerweise ist dieses Teilstück auf dem Deich immer sehr windig, aber diesmal war es angenehm windstill. Nach 17 Kilometern verlief die Laufstrecke wieder über die Landstraße Richtung Flüren, vorbei am Waldfriedhof und über befestigte Feldwege in Richtung Stadion. Auf den letzten drei Kilometern machte mir der durchnässte Rücken zu schaffen, aber nach 2:18:12 erreichte ich glücklich und zufrieden das Ziel. Genau 30 Jahre vorher, am 1. Mai 1987, hatte ich die Strecke in meiner Bestzeit von 1:43:32 geschafft – aber man ist eben keine 22 mehr!

 

© Michaela Butler im Mai 2017