Monschau-Marathon 2018

Vorbericht zum Monschau Marathon 2018

Ehrgeiz, Lust und Leidenschaft

Der Eifeler Kultlauf und seine Typen: Am Sonntag gehen wieder Hunderte Sportler auf die idyllische und anspruchsvolle Piste

KONZEN Mehr als 1000 Sportlerinnen und Sportler starteten im vergangenen Jahr bei einem der unterschiedlichen Wettbewerben. Angezogen und beseelt von der einmaligen Atmosphäre und Kulisse des Monschau-Marathons, den der TV Konzen traditionell präsentiert. Wir haben vier Personen aus der unzähligen Schar an Teilnehmern rausgepickt, die ihre sportlichen Fußabdrücke in der Hügellandschaft der Voreifel bereits hinterlassen haben. Sie alle goutieren diese Mischung aus Sport und Naturerlebnis, wenn auch mit unterschiedlichem Schwerpunkt.

Christian Niessen

Ein Marathon-Mann, der sportlich seriös arbeitet, plant seine Saison. Das war auch bei Christian Niessen so. Der Distanzläufer aus Schmidt hatte sich für den Herbst den Amsterdam-Marathon als sportlichen Höhepunkt ausgeguckt. Flach also. Stattdessen aber geht es für den 37-Jährigen seit zehn Wochen auf und ab: Bergläufe, Waldstrecken. Das würde für den Marathon in der niederländischen Metropole wenig Sinn ergeben. Umso mehr für Niessens Lieblingsrennen, dem Monschauer Marathon. Dieses Umschalten in der Trainings- und Rennplanung hat einen Grund, über den der rasende Feuerwehrmann sich riesig freut: „Wir erwarten Ende September unseren ersten Nachwuchs.“ Und Ehefrau Silvia, selbst passionierte Läuferin mit ausgeprägter Toleranz für den Zeitaufwand, den ihr Ehemann für seinen Sport betreibt, gab eine klare Direktive aus: „Bis zum 28. September kannst du machen was du willst . . .“

„Einen Trainingsplan besitze ich nicht. Das geht bei mir wie Kraut und Rüben.“

Hendrike Hatzmann,
Marathonsiegerin 2017

Also Monschau (12. August) statt Amsterdam (21. Oktober): Der Gehorsam fällt Nießen leicht, nicht nur, weil er von seiner Arbeit auf der Brandwache in Aachen hierarchische Verhältnisse gewohnt ist. Er kann den ausgerechneten Termin kaum erwarten. Und auch die neue sportliche Herausforderung einen Monat zuvor erfährt eine Erhöhung. „Wer weiß, ob ich als Vater noch den Aufwand betreiben kann oder will wie momentan. Wenn du in Monschau sportlich vorne dabeisein möchtest, musst du pro Woche mehr als 100 Kilometer laufen. Ganz aufhören werde ich nicht. Vielleicht bin ich 2019 zwar dabei, aber dann würde ich die Strecke mehr als Sightseeing angehen.“

Davon ist er aktuell weit entfernt, 42 Kilometer sozusagen. Christian Niessen will seinen Sieg von 2015 wiederholen. Und als Karrierehöhepunkt derjenige sein, der endlich diesen verflixten Rekord von 2:33:12 Stunden von Michael Reuel (Armada Würselen) aus dem Jahr 1990 knackt? „Ne, ne, ne – der fällt nicht!“ Um die Zeit zu unterbieten, müsse man flach um die 2:20 laufen. Damit gehört man in Deutschland zur nationalen Spitze. „Und diese Läufer kommen nicht nach Konzen, das sind Halbprofis, die nicht für ein paar Schuhe starten.“ Das aber macht der ehemalige Fußballer. Und zwar mit Freude und Überzeugung: „Ich mache das doch nicht wegen des Geldes. Für mich ist es eine Ehre, beim Monschau-Marathon anzutreten. Und ich denke, so sollte es auch sein, das ist der spezielle Charme dieses Events. Die Veranstalter haben kein Interesse daran, dass drei auf dem Podest stehen, die in der Eifel keiner kennt.“

Mit der Hitze in der Vorbereitung und auch wohl beim Rennen kommt der 37-Jährige gut klar. „Ich habe am 1. August im Training meinen ersten Langlauf absolviert (38 Kilometer). Ich bin um 10 Uhr gestartet und habe mich super gefühlt. Und der Startschuss am 12. August fällt bereits um 8 Uhr.“ Auf die idealen Bedingungen für einen Marathonlauf – „15 Grad, leichter Regen, kein Wind“ – bestehen wenig Chancen. Doch so oder so ist sich Niessen nach seiner 38-Kilometer-Erfahrung siegessicher: „Wenn ich das abrufen
kann . . .“ Womöglich kreiert er auch für das nächste Jahr eine neue Disziplin neben dem Marathon, Ultramarathon etc. „Es gibt Kinderwagen, mit denen man laufen kann: Baby-Jogger!“ Christian Niessen und sein Nachwuchs wären die großen Favoriten auf den Sieg.

André Collet

André Collet als einen Siegertypen zu bezeichnen, ist leicht untertrieben. Der 46-jährige Rekordsieger des Monschau-Marathons (acht Mal) brennt, sobald er die Laufschuhe überstreift. Und manchmal brennt’s auch, wenn er sich etwa beim Sockenanziehen einen Hexenschuss zuzieht. Wie vor dem Düsseldorf-Marathon, bei dem er so viel vorhatte, sich super vorbereitet hatte, natürlich trotz der Einschränkung startete und sich durch eine Schonhaltung prompt eine schwerwiegende Verletzung (Plantarsehnen-Anriss) zugezogen hat. Die ist inzwischen auskuriert, der 46-Jährige ist gut drauf und fiebert seinem großen Saisonziel, der 100-Kilometer-WM in Sveti Martin (8. September), entgegen. Da müssten die 56 Kilometer am Sonntag beim Ultralauf nur ein Spaziergang sein. „Nein, nein, den Wettkampf nehme ich sehr ernst. Aber natürlich muss ich ein wenig vorsichtig sein. Eine 3:45er-Zeit und Platz zwei oder drei wären ideal“, sagt Collet. Spätestens in diesem Moment werden alle, die diesen Ausnahmeläufer kennen, anfangen zu schmunzeln. Platz 2 oder 3! André Collet!

Da muss er auch selbst lachen. Er kennt sich am besten. „Man gibt anderen die besten Ratschläge. Aber für sich selbst entscheidet man dann anders, weil man eben so in der Tretmühle steckt.“ Wie eben vor Düsseldorf, als er das Verletzungs-Risiko einging und sich verzockte. „Aber grundsätzlich bin ich schon vorsichtiger geworden“, sagt er. So hat er in der WM-Vorbereitung die Zahl der Intervall-Läufe reduziert. „Man ist halt keine 30 mehr. Und wenn du mit 47 nicht darauf hörst, fühlst du dich jeden Tag ausgelutscht und schadest nur deiner Gesundheit.“ Aber Einheiten mit 2200 Treppenstufen gehören weiterhin zum Repertoire des Langstrecklers. Länger mit weniger Tempo – das könnte auch für Sonntag gelten. Theoretisch. „Vorher ist man vernünftig, aber dann schaltest du plötzlich um und bist im Wettkampffieber.“ Und merkt erst nach 42 Kilometern, dass es ja noch weiter geht, in Monschau 14, demnächst bei der WM in Kroatien noch 58 Kilometer. „Das hast du so drin, nach 42 Kilometer schaust du auf die Uhr. Und bekommst eine Rückmeldung. Eine reine Kopfsache, und am besten wäre es, wenn man gar nicht drauf schauen würde“, sagt der Mann, der 2017 den Marathon in Monschau gewann.

Nicht auszuschließen, dass 2018 schon bei der 42er-Marke André Collet recht einsam unterwegs ist. Und bereits fühlt oder gar weiß, dass er die Ziellinie in Konzen als Erster überqueren wird. Sein Trainer impft ihm zwar immer wieder ein, es sei am besten, beim Laufen überhaupt nicht nachzudenken. Doch auf den letzten 14 Kilometern könnte er – mit seinen Konkurrenten hinter
sich – nach vorne schauen: sich freuen auf die Zeit danach. Ohne zu laufen. Trainingsfrei, stattdessen in die Sauna gehen oder mit der Frau im Garten sitzen: „Der Montag ist der heilige Tag!“

Michael Reuel

Auch der Rekordhalter selbst glaubt nicht daran, dass seine Bestmarke in naher Zukunft gefährdet ist. Im Jahr 1990 herrschten für Michael Reuel optimale Bedingungen. Die Sonne brannte, es waren über 30 Grad „Ich war ein Hitzeläufer“, sagt der fast 60-Jährige. „Es kam alles zusammen.“ Der inzwischen pensionierte Zeitsoldat war „noch relativ neu“ im Langstrecken-Geschäft, der 14. „MoMa“ sein dritter Marathon. Und eigentlich sollte sein Saisonhöhepunkt der Lauf in Hamburg sein. Doch dann versuchte er es einfach mal, weil er sich gut fühlte. Und weil sein Trainer ihm versicherte, dass auch mal drei Marathons im Jahr verantwortbar sind – als Ausnahme und wenn der dritte kontrolliert angegangen wird.

Vier statt acht Wochen reichten dann ausnahmsweise, um ungeplant eine Marke für zumindest Jahrzehnte oder gar ewig zu setzen. Schließlich gehörte Reuel national zu den Top-Läufern. „Ich bin bei den Deutschen Meisterschaften regelmäßig zwischen Platz 5 und 9 gelandet.“ Seine Bestzeit: 2:21. Und da passen rechnerisch seine 2:33:12 in Monschau: Die Zeiten auf der Hügelstrecke liegen rund zehn Minuten über den Bestmarken auf den Flach- bzw. Stadtrennen. „Es war auf der Höhe von Kalterherberg“, erinnert sich Michael Reuel. „Ralph Bosten lag vor mir. Der Vorjahressieger. Und er wollte zum zweiten Mal siegen.“ Das war zusätzliche Motivation für den Armada-Läufer. „Da habe ich angegriffen und konnte mich gut 100 Meter absetzen.“

Der Sieg war einmalig für den damals 32-Jährigen. Etliche Male lief er noch den Eifeler Kultmarathon. Mit guten Platzierungen. „Aber ein Sieg interessierte mich nicht mehr.“

2008 hörte er mit dem Wettkampflaufen auf. Aber schon in den Jahren zuvor hatte sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass das Jagen nach Bestzeiten speziell auf der Langstrecke nicht über Jahre möglich ist, ohne dass es der Körper eines Tages heimzahlt. Gesundheit statt Rekorde: Die Liebe zum Laufen ist geblieben, die Fitness auch. Die Vorzeichen aber sind andere. „Ich könnte ad hoc am Sonntag starten und eine 3:15 laufen. Aber ich muss es nicht.“

Entsprechende Gesundheits-Ratschläge gab er auch als Trainer weiter, nachdem er sein eigenes Pensum runtergefahren hatte. Etwa an André Collet. Die Diskussionen darüber sind geblieben, die gute Beziehung zum Ultra-Mann auch – aber sportlich habe man sich eben wegen dieser unterschiedlich Auffassung getrennt. Die Begeisterung für den Monschau-Marathon aber ist geblieben. „Dieses Natur-Erlebnis auf den Waldwegen, mit den Holzbrücken, den Bäumen und den Vögeln anstatt in der Stadt mit all dem Verkehr, den Häusern, den versiegelten Flächen und Industriegebieten – das ist einmalig.“

Hendrike Hatzmann

Von Berufs wegen hat sie am Sonntag ein Heimspiel. Hendrike Hatzmann. Die Ärztin ist zwar niedergelassen in Aachen und lebt auch dort. Aber die Monschau-Siegerin des vergangenen Jahres betreut den Ausrichter TV Konzen sportmedizinisch. Diese „Praxis“ benötigt sie für ihre Zusatzausbildung. Und von der 35-Jährigen können viele Läufer etwas lernen. Vor allem die überehrgeizigen. Laufen soll in ihrer Definition vor allem Spaß machen, darin macht Hatzmann ihrem Namen keine Ehre. Das schützt nicht vor Erfolgen, wie geschehen 2017 in Konzen, als sie unerwartet als erste Frau die Ziellinie überquerte (3:28:49). „Da war ich schon überrascht.“

Zwar wird ihre Bestzeit mit 3:17 notiert. Aber persönliche oder andere Rekorde zu knacken, ist nicht das, was sie antreibt. „Für Intervallläufe bin ich zu faul“, gesteht sie ehrlich. Dementsprechend war auch ihr Triumph im vergangenen Jahr nicht bedingungslos. „Auf den letzten Kilometern Gas zu geben, wenn mir davon übel wird oder ich Sterne sehe, ist kein Thema für mich.“

Den Druck als Titelverteidigerin hat sie sich auch pfiffig genommen: Sie startet am Sonntag in der Staffel mit dem Vereinskollegen Thomas Sauer. Das ist ein Halb-Marathon. Und diese Reduzierung ermöglicht es, dass die Ärztin eine Woche später einen Triathlon im Allgäu absolviert. „Eine verrückte Idee“, wie Hatzmann bekennt. Eingebrockt von einer Freundin, die ihren Start allerdings wegen einer Schwangerschaft absagen musste. Die Ärztin aber zieht den Plan durch.

Sie ist offensichtlich eine sehr soziale Läuferin, was aber zulasten der Struktur geht. „Ich passe mich am liebsten den Kollegen an“, bekennt sie lächelnd. „Einen Trainingsplan besitze ich nicht. Das geht bei mir wie Kraut und Rüben.“

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie bitte diese Ärztin. Und Hendrike Hatzmann empfiehlt ihre K & R-Vorbereitung natürlich nicht ihren Kollegen vom TV-Konzen. Umso mehr aber zwei andere Dinge: Spaß und und eine gesunde Selbsteinschätzung.

STARTZEITEN UND – ORT

Die Ultraläufer sind die Frühaufsteher

Der Start für den Marathonlauf erfolgt am Sonntag um 8 Uhr in Konzen. Wie immer. Der Ort hat sich aber geändert. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gehen jetzt mitten im Dorf, wo sich schon seit Jahrzehnten der Zieleinlauf befindet, auf die 42-Kilometer-Strecke (Konrad-Adenauer-Straße 2). Die Schnellsten werden ab ca. 10.35 Uhr die Ziellinie überqueren.

Bereits um 6.05 Uhr erfolgt der Start zum 6. Monschauer Ultramarathon über 56 Kilometer.

Weitere Informationen:
> monschau-marathon.de

© Bericht Dürener Zeitung 10.08.2018

VON BERND SCHNEIDERS

Alles zum Monschau-Marathon 2018

Für den diesjährigen Monschau Marathon, der am 12. August 2018 wieder ausgetragen wird, und an dem wiederum, wie in jedem Jahr, auch Leichtathletinnen und Leichtathleten sowie Kids der Leichtathletik-Abteilung des TuS Schmidt teilnehmen, wurde vom Veranstalter in Zusammenarbeit mit Wochenspiegel ein Magazin in E-Paper Form erstellt. Unter anderem ist auch ein größerer Bericht über die Leichtathleten des TuS hier aufgeführt. Für alle die an diesem Event teilnehmen ist das Magazin eine bereichernde Lektüre und zur Einstimmung auf diesen Lauf lesenswert. Nachstehend finden Sie dieses Magazin in PDF Form bzw. als Link für E-Paper. Mit diesen Button navigieren Sie  innerhalb der PDF-Datei  

Magazin in E-Paper-Format

Magazinbericht TuS Schmidt
Magazin in PDF-Format

Die Platzierten des TuS

Eifel-Marathon 2018
© 12.08.2018
7. Ultra-Monschau-Marathon
© 12.08.2018

Monschau Marathon

Christian Niessen Platz 3 gesamt Platz 1 AK M 35 2:41:30 std./m/s

Ultra Marathon

Birgit Bauer Platz 38 gesamt 9. Latz AK W 458 8:04:59 std./m/s

Marathon Walk

Judith Hallmanns Platz 28 gesamt 5:30:50 std./m/s

Eifel-Panorama Walk ( 4,20 km)

Birgit Bauer ohne Platz-Wertung Jahrgang 69 0:56:03 std./m/s