Traditionswirtschaft “Schützenhof” macht Ende August zu

Noch wird Karneval gefeiert im „Schützenhof“; das ist die Traditionswirtschaft mit Saal in der Ortsmitte von Schmidt, in der Monschauer Straße. Noch toben sich große und kleine Narren hier aus; nach dem Karnevalszug wird der Saal wieder zu klein sein. Und dann kommt in der Fastenzeit die Theatergruppe des TuS Schmidt, um an fünf Abenden ihr Stück aufzuführen. Auch für das Frühjahr und den Sommer ist der Terminkalender mit verschiedenen Veranstaltungen gefüllt.

Und am 31. August wird der Wirt, Kurt Lennartz, mit seiner Frau Renate zum letzten Mal die Tür abschließen.

Der Schützenhof macht zu

Die Nachricht war für viele ein Schock. Eigentlich alle Schmidter Vereine treffen sich in der Wirtschaft oder nutzen den Saal. Nachdem vor einigen Jahren der Saal in der Heimbacher Straße geschlossen wurde, wurde der Schützenhof zur wichtigsten Begegnungsstätte des Vereinslebens. Hier laufen Randaleball, Tollrock-WarmUp und Oktoberfest ab, hier finden Versammlungen und Info-Veranstaltungen sowie Familienfeiern und Jubiläen statt – stets weiß man das gepflegte Ambiente und den zuvorkommenden Service der Wirtsleute und ihrer Helfer zu schätzen.

Kurt Lennartz erzählt gern aus der Geschichte dieser renommierten Gaststätte, mit Unterstützung des Heimatbundes Schmidt e.V. kamen Details aus der Vergangenheit ans Licht.

Aus der Geschichte des Traditionshauses

Als im Jahre 1870 – zu Kaisers Zeiten – die Schützenbruderschaft St. Hubertus Schmidt gegründet wurde, geschah dies hier, in der „Gaststube Stolz“.

Im Jahre 1928 erwarb Kurt Lennartz‘ Urgroßvater, Hubert Falter, das große Anwesen – bis heute kennen viele Schmidter den Ausdruck „a Huetz Hüppetsches“. Er gab die Wirtschaft an einen seiner fünf Söhne weiter, nämlich an Josef Falter, der sie gemeinsam mit seiner Frau Helene geb. Deuster führte. Gleich nebenan wurde eine Schwester von Josef Falter Besitzerin eines Kolonialwarengeschäfts; dies erklärt die seltene Bauweise der zwei Häuser, die Wand an Wand stehen.

Schon damals war der Saal äußerst beliebt für Veranstaltungen jeglicher Art. Der Turnverein hatte hier in Ermangelung einer geeigneten Räumlichkeit seine Turngeräte untergebracht, und so manche kleine Turnerin und manch talentierter Turner haben hier unter „Turnvater Jahn“ (Wilhelm Bergsch) die ersten Übungen gemacht. Auch geboxt wurde hier. Und die Schützen hatten einen Schießstand zum Üben und für Wettkämpfe.

Am zweiten Weihnachtstag wurde der „Heimatabend“ veranstaltet; da war es meistens sehr kalt, und die beiden Öfen konnten nur mit ständiger Fütterung für eine erträgliche Raumtemperatur sorgen. Aber das ganze Dorf hatte einen Riesenspaß, denn es wurde stets ein Lustspiel des Theatervereins aufgeführt, die Mandolinengruppe spielte, und es gab einen Diavortrag aus dem Schmidter Dorfgeschehen.

Josefine Lennartz – eine tüchtige Wirtsfrau

Als Helene Falter im Jahre 1965 verstarb, übernahm die Tochter Josefine mit ihrem Ehemann, Otto Lennartz, das Gasthaus; mittlerweile gab es sieben Fremdenzimmer. Es war die Zeit, als viele Gäste aus den Niederlanden und dem Kölner Raum in die Eifel strömten. Josefine Lennartz, von allen nur „Fine“ genannt, konnte sich über Arbeitsmangel nicht beklagen. Sie kochte für die Gäste und zapfte Bier; an den Kirmestagen wurde bis in die Morgenstunden gefeiert, und beim Frühschoppen war alles wieder sauber hergerichtet. Und die Leute aus dem Dorf kamen ebenfalls gern in die Wirtschaft. „Es gab damals etliche Baufirmen in Schmidt, und es war normal, dass die Arbeiter nach der Arbeit auf ein Bierchen reinkamen. Heute müssen sie alle fahren“, merkt Kurt Lennartz an.

Fine war eine resolute, aber herzliche und humorvolle Frau, an die sich noch viele Schmidter gern erinnern. Ihr Spruch „Drönk ens uss“ ist noch im Gedächtnis – es gab kein neues Bier, wenn der Gast nicht ausgetrunken hatte.

Veränderungen

Als sie 1999 verstarb, musste ihr Sohn Kurt, geboren 1958, ran. Er hatte im Dürener Hotel Germania eine Ausbildung zum Hotel- und Gaststättenkaufmann gemacht und schon seit 1975 im elterlichen Betrieb mit angepackt. Unter seiner Regie gab es einige Veränderungen: Die Gästezimmer gab er auf, sie waren nicht mehr zeitgemäß. „Wir haben den Augenmerk auf den Saal gerichtet“, erzählt Kurt Lennartz. Eine neue Bühne wurde gebaut, der Fußboden wurde erneuert, runde Tische und bequeme Stühle wurden angeschafft, und schließlich stand im Jahr 2005 eine neue ebenerdige Toilettenanlage zur Verfügung.

„Wir haben ein gutes Verhältnis zu allen Vereinen, darauf sind wir stolz“, sagen Renate und Kurt Lennartz. „Brösje“ (verkleinert für „Prost“) ist Kurts Markenzeichen; die Radsportler aus dem TuS haben es sich sogar aufs Trikot gedruckt. Er war immer mit Leib und Seele Wirt. „Wenn die Leute nach einer gelungenen Veranstaltung glücklich nach Hause gehen, das war für uns immer das Schönste.“

Gesundheitliche Probleme zwangen ihn, ans Aufhören zu denken.

Was kommt jetzt?

Da trat Klaus Lennartz ins spannende Geschehen. Er suchte das Gespräch mit Kurt Lennartz, denn er beabsichtigte, das Anwesen direkt nebenan mitsamt dem Supermarkt zu kaufen. Nun wollte er mit Kurt Lennartz über den Grenzverlauf reden. Nach kurzem Überlegen antwortete ihm der Wirt: „Du kannst meins gleich mit kaufen, dann brauchen wir uns mit der Grenze keine Mühe zu geben.“ Das musste Klaus Lennartz erst verdauen, aber einige Wochen später kam er auf das Angebot zurück und fragte, ob es ernst gemeint sei. Das war es, und nun plant der Investor umfangreiche Baumaßnahmen auf dem „Filetstück“.

Kurt und Renate Lennartz haben vorgesorgt: „Einfach Schluss machen und sich um nichts mehr kümmern, das ist nicht unsere Sache“, sagen sie, „wir haben über 35 Jahre gut mit den Vereinen zusammengearbeitet.“ Und sie haben eine beruhigende Mitteilung für das Dorfgeschehen: „Bevor hier abgerissen wird, muss was Neues für die Vereine da stehen.“

Klaus Lennartz bestätigt dies: „Ich habe versprochen, dass es weitergeht; ich bin zu den Vereinen gegangen und habe ihnen versichert, dass die Gastronomie mindestens so weiter betrieben wird wie bis jetzt.“

Genaue Pläne verrät Klaus Lennartz nicht, obwohl er sich seit drei Jahren mit dem Projekt befasst. Er steht unter einem gewissen Druck, auch weil das Unternehmen Rewe verlangt, dass der Supermarkt nebenan, der ihm gehört, eine Mindestgröße von 800 m² haben muss. Ob seine Baupläne verwirklicht werden können, muss am 18. Februar der Rat der Stadt Nideggen entscheiden, dafür ist eine Änderung des Bebauungsplans „S16“ notwendig.

Jedenfalls haben die Wirtsleute Kurt und Renate Lennartz sich vorgenommen, den Betrieb und ihre Gäste „bis zum Schluss zu genießen“. Wer dann am 01. September hinterm Tresen steht, ist noch ungewiss. „Wir sicher nicht“, sagen sie.

 

® ale 06.02.2019